Als KREISELTERNAUSSCHUSS SÜDLICHE WEINSTRASSE – KEA SÜW – vertreten wir als ehrenamtliches, gewähltes, überörtliches Gremium die Belange der Kinder, Eltern und jungen Familien gegenüber allen Akteuren im Kita-Umfeld.
Bereits Mitte Dezember fand die Vollversammlung des Kreiselternausschusses SÜW (KEA SÜW) mit Neuwahlen des Vorstandes statt. Der KEA SÜW besteht aus den Delegierten der 76 Kindertageseinrichtungen im Landkreis und wählt alle zwei Jahre seinen Vorstand sowie die Delegierten für den Landeselternausschuss (LEA RLP). Zu diesem Zweck versammelten sich auf Einladung des Kreisjugendamtes 71 wahlberechtigte Delegierte sowie weitere interessierte Eltern im Casino des Kreishauses.
Inhalt der Veranstaltung waren neben den Neuwahlen die Vorstellung der Aufgaben des KEA durch das Kreisjugendamt sowie der Jahresbericht des bisherigen Vorstandes. In diesem stellte Christian Strecker, seit 2021 Vorsitzender des KEA SÜW, die Aktivitäten des vergangenen Jahres vor. Er gab einen Einblick in die vielschichtigen Tätigkeiten des KEA-Vorstandes, darunter zum Beispiel die Beratung von Elternaussschüssen oder den regelmäßigen Austausch mit dem Jugendamt zu sämtlichen Kita-relevanten Themen. Auch die gesetzlichen Aufgaben hinsichtlich Bedarfsplanung und Jugendhilfeausschuss nehme der Vorstand sehr aktiv wahr und versuche mit konstruktiven Beiträgen die Elterninteressen einzubringen. „Der KEA SÜW hat sich in den vergangenen Jahren durch eine gute Kenntnis des Kita-Systems und zahlreiche, gut besuchte Online-Info-Veranstaltungen etabliert. Auch unser Beratungsangebot wird von vielen Elternausschüssen wahrgenommen. Die zahlreiche Teilnahme an der Vollversammlung nehmen wir als ein positves Feedback wahr. Das freut uns sehr.“, so Christian Strecker. Abschließend bedankte sich der bisherige Vorsitzende bei den scheidenden Vorstandsmitgliedern, allen engagierten Fachkräften, Trägern, Eltern und dem Kreisjugendamt für die gute Zusammenarbeit der letzten beiden Jahre.
In der anschließenden Wahl wählten die KEA-Delegierten folgende Personen in den Vorstand für die Wahlperiode 2025–2027: Gregor Bauer (Schweighofen) , Anja Burger (Annweiler), Kristin Dannenberger (Edesheim), Jaqueline Gabriel (Ramberg), Sarah Herzog-Arvandi (Bad Bergzabern), Kerstin Krug (Schweighofen), Sarah Lehnert (Herxheim), Christian Strecker (Oberotterbach), Danny Sutton (Rhodt) und Jasmin Vonnieda (Freimersheim). Die Vollversammlung wählte außerdem zu Delegierten für den Landeselternausschuss: Sebastian Plötzgen (Herxheim) und Christian Strecker. Ersatzdelegierte wurden Nina Becker (Bad Bergzabern) und Jaqueline Gabriel.
In der im Anschluss stattgefundenen konstituierenden Sitzung unter Leitung des Jugendamtes bestätigte der neue KEA-Vorstand Christian Strecker in seiner Funktion als Vorsitzenden. Als seine Stellvertreterin wurde Anja Burger berufen.
„Ich freue mich sehr auf die kommenden zwei Jahre und meine neue Aufgabe als stellvertretende Vorsitzende. Wir haben auch bei dieser Wahl wieder eine tolle Mischung aus erfahrenen und neuen Elternvertretern mit frischen Ideen für die Arbeit auf Kreisebene bekommen. Diese Konstellation ist denkbar günstig!“, zieht Anja Burger ihr Résumé zur Wahlveranstaltung.
Der Vorstand des Kreiselternausschusses ist auch weiterhin auf gewohntem Weg erreichbar
Foto: KV SÜW Vordere Reihe von links nach rechts: Hannelore Schlageter (Leitung des Jugendamtes) Sarah Lehnert, Jasmin Vonnieda, Nina Becker, Sarah Herzog-Arvandi, Jaqueline Gabriel, Kerstin Krug, Anja Burger, Gregor Bauer Hintere Reihe: Christian Strecker, Sebastian Plötzgen, Danny Sutton Es fehlt: Kristin Dannenberger
Den meisten Kindern geht es gut in der Kita. Dennoch geht das, was Studien regelmäßig zu Tage fördern, über die Definition von “Einzelfällen” weit hinaus. Verletzendes Verhalten gegenüber Kindern ist an der Tagesordnung in der Kita — allerdings auch im Elternhaus. In den überwiegenden Fällen geschieht dies unbewusst und ohne böse Absicht. Dieser Artikel soll daher nicht anprangern sondern sensibilisieren. Denn um es mit den Worten der aktuellen Initiative der Bertelsmann-Stiftung auszudrücken:Es geht um jedes Kind!
Es sind erschreckende Zahlen, die eine aktuelle bundesweite Studie der Bertelsmann Stiftung in Kooperation mit der Universität Gießen erhebt. Die Befragung von über 21.000 Fachkräften ergab, dass verletzendes Verhalten in der Fachkraft-Kind-Interaktion häufig an der Tagesordnung ist, auch wenn die Erfahrungen der Kinder in der Kita überwiegend positiv sind. Der Untertitel der Studie: “Praxis zeigt dringenden Handlungsbedarf!”
25 % der befragten Fachkräfte beobachten an den meisten Tagen oder öfter Situationen, in denen der Schutz der Kinder erforderlich wäre
Noch deutlicher fällt die Einschätzung der befragten Erzieherinnen und Kindheitspädagoginnen in Ausbildung aus. Hier liegt der Anteil derjenigen, die „an den meisten Tagen“ oder häufiger pädagogisches Fehlverhalten beobachten sogar bei knapp 38% ! Über die Ursachen hierfür lässt die Studie keine konkreten Rückschlüsse zu. Es kann aber vermutet werden, dass Auszubildende und Studierende aufgrund aktuellerer pädagogischer Sichtweisen Situationen anders einschätzen.
Der Studie beschreibt ebenfalls, dass oft kein allgemeiner Konsens darüber herrsche, ob eine Situation den Schutz der Kinder überhaupt erfordern würde und dass diese Einschätzungen oft nur gravierende Fälle erfasse. Die tatsächliche Häufigkeit von Fehlverhalten wird systematisch unterschätzt, da nicht alle Vorfälle überhaupt beobachtet, als gravierend genug eingeschätzt werden und auch Resignation oder Abstumpfung zu einer toleranteren Einschätzung führe. Insgesamt gibt es eine nicht quantifizierbare Dunkelziffer von Fehlverhalten gegenüber Kindern in der vorliegenden Stichprobe.
Die Frage, wo verletzendes Verhalten gegenüber Kindern beginnt, wird im wissenschaftlichen Kontext relativ eindeutig beantwortet. Wenn grundlegende Bedürfnisse wie Respekt, Sicherheit und emotionale Unterstützung nicht erfüllt werden, dies sich in mangelnder Geduld, Wertschätzung oder verbaler/körperlicher Aggression äußert, ist bereits eine verletzende Grenzüberschreitung erfolgt. Die Verhaltensweisen reichen von Subtilen bis hin zu offensichtlicher körperlicher Gewalt. Bereits ein Augenrollen oder ein ironischer Unterton können als verletzendes Verhalten eingeordnet werden. Oder ein schlichtes Wegschauen, wenn jemand anderes sich solcher Verhaltensweisen bedient.
Konsequenter Kinderschutz im Kita-Alltag bedeutet, dass Fehlverhalten gegenüber Kindern nicht relativiert oder unter den Teppich gekehrt, sondern benannt und angesprochen wird sowie zu entsprechenden Konsequenzen führt.
Verband der Kita-Fachkräfte RLP
Stress, Überforderung und Unstimmigkeiten innerhalb des Teams können Gründe dafür sein, wenn Mitarbeitende in Kitas im Umgang mit den ihnen anvertrauten Kindern nicht immer angemessen reagieren. Klar ist jedoch: Solche Situationen belasten auch das gesamte Team erheblich. Auch individuell wird von einer großen Belastung durch Fehlverhalten von Teammitgliedern berichtet. Doch nicht nur das eigene Gewissen verpflichtet eigentlich dazu, NICHT weg zuschauen, sondern auch das Gesetz. Wer gravierende Vorfälle beobachtet und nicht meldet, macht sich unter Umständen selbst strafbar.
69 % der Fachkräfte geben an, sich stark oder eher stark belastet zu fühlen, wenn sie Situationen miterleben, in denen der Schutz der Kinder erforderlich wäre. Es greifen allerdings lediglich 4% immer ein, ein Fünftel in weniger als 30 %!
Gleichzeitig erschreckt der Umkehrschluss: Rund ein Drittel der Fachkräfte, die verletzendes Verhalten gegenüber Kindern beobachten, fühlen sich dadurch eher nicht belastet!
„Schon ein einziger Vorfall, bei dem das Wohl eines Kita-Kindes möglicherweise gefährdet ist, ist ein ernstes Problem – nicht nur für die Eltern, sondern auch für die Fachkräfte. Die meisten Mitarbeitenden stellen hohe Ansprüche an ihre Arbeit und wünschen sich in solchen sensiblen Fällen Unterstützung. Dabei ist besonders das Vertrauen und die Zusammenarbeit im gesamten Kita-Team entscheidend“, erklärt Anette Stein, Expertin der Bertelsmann Stiftung für frühkindliche Bildung.
Ausreichende Personalausstattung ist wichtig, aber alleine nicht ausreichend. Die Befragung zeigt außerdem: In gut besetzten Kita-Teams laufen die Arbeitsprozesse reibungsloser, während unterbesetzte Teams öfter mit Schwierigkeiten kämpfen. Die Bertelsmann Stiftung und auch der Fachkräfteverband RLP haben bereits früher darauf hingewiesen, dass Unterbesetzung, Überlastung und hohe Fluktuation im Kita-Bereich einen gefährlichen Kreislauf bilden. „Eine angemessene Personalausstattung ist eine notwendige Grundlage für eine kindgerechte Betreuung. Unsere Daten machen jedoch deutlich, dass sie nur dann den Schutz und das Wohlergehen der Kinder verbessert, wenn sie auch zu einer besseren Teamarbeit beiträgt“, betont Kathrin Bock-Famulla, ebenfalls Expertin für frühkindliche Bildung bei der Stiftung.
Die Studie unterstreicht, dass pädagogische Fachkräfte ihr eigenes Verhalten gegenüber den Kindern regelmäßig hinterfragen und im Kollegium sowie mit der Leitung besprechen müssen. Grundlegende Fähigkeiten hierzu werden bereits in der Ausbildung zum staatlich anerkannten Erzieher oder zur Erzieherin vermittelt. Der Anteil an Kita-Teams mit einem hohen Anteil entsprechend qualifizierter Fachkräfte ist jedoch seit geraumer Zeit rückläufig,
Mehr Fachberatung, bessere Leitungsressourcen und gezielte Qualifizierung. Die Bertelsmann Stiftung empfiehlt daher, an mehreren Stellschrauben zugleich zu drehen. So sollten Fachberatungsangebote für Kitas personell und zeitlich ausgeweitet werden, um Teams eine bessere Unterstützung zu ermöglichen – insbesondere auch bei gemeinsamen Reflexionsprozessen. Formate, die eine offene Fehlerkultur und konstruktives Feedback fördern sowie klare Vereinbarungen zum angemessenen Verhalten schaffen, sind ebenfalls sinnvoll. Hierfür tragen auch die Träger eine besondere Verantwortung. Gleichzeitig ist es zentral, den Anteil pädagogisch qualifizierter Fachkräfte in Kitas langfristig wieder zu erhöhen. Sinkende Kinderzahlen sollten genutzt werden, das Fachkraft-Kind-Verhältnis zu verbessern und gleichzeitig einen qualitativen Ausbau der Betreuungsqualität zu forcieren — nicht um Kita-Plätze zu reduzieren und Personalkosten einzusparen.
Die Informationsquellen zum Thema verletzendes Verhalten sind vielfältig. In einem früheren Beitraghatten wir das Thema bereits aufgegriffen und zahlreiche unterstützende Materialien verlinkt. Auch auf Landesebene wurde das Thema Kinderschutz erst kürzlich aufgegriffen, worüber wir in diesem Artikel berichtet hatten. Ein detaillierter Blick in die aktuelle Bertelsmann-Studie lohnt sich insbesondere auch für Fachkräfte, Leitungen und Träger, enthält sie doch auch konkrete Handlungsempfehlungen.
Für Interessierte, die einen ersten Einblick in die Thematik auf der “Tonspur” erhalten wollen, empfehlen wir folgende Podcasts des IBEBs:
Kitas sind Orte der Bildung. Kinder sollten dort auch eine konstruktive Fehlerkultur lernen. Dies gelingt nur, wenn wir Erwachsenen ihnen das vorleben und uns auch sachlich mit negativen Themen auseinandersetzen. Reflexionskompetenz, Schutzkonzept, Kindeswohl als oberstes Gebot — all das dürfen nicht nur Begriffe aus der Fachliteratur sein. Die dazu erforderlichen personellen Ressourcen bilden die Grundlage hierfür.
Kinderschutz in der Kita ist ein Thema, das alle Teile der Verantwortungsgemeinschaft betrifft. Jede Kita in Rheinland-Pfalz ist daher dazu verpflichtet, ein Schutzkonzept zu erstellen, welches auch Teil der und Voraussetzung für die Betriebserlaubnis ist. Im Idealfall entsteht dieses Schutzkonzept im Rahmen des Kita-Beirates, wo Eltern, Fachkräfte, Leitung, Träger und die FaKiB gemeinsam ihre Wertevorstellungen zum Umgang mit den Kindern festlegen können. Mindestens aber ist der Elternausschuss anzuhören, bevor ein solches Schutzkonzept finalisiert wird.
Viele Einrichtungen erarbeiten das Schutzkonzept innerhalb des Teams. Dabei gerät oft in Vergessenheit, dass die Fachkräfte nicht alleine die Verantwortung für die Kinder tragen müssen. Sie sind zwar diejenigen, deren Handeln im Alltag den größten Einfluss darauf hat, wie gut das Konzept in der Praxis umgesetzt wird, dennoch gibt es viele weitere Rollen: FaKiB, Kita-Leitung, Trägervertretung, Elternvertretung, Fachberatung, Kita-Sozialarbeit, Kita-Kiste oder auch die InSofa (insoweit erfahrene Fachkraft.
Doch was sind die Aufgaben dieser Rollen im Zusammenhang mit Kinderschutz in Kitas? Wie können die einzelnen Personen ihrer Verantwortung gerecht werden?
Um diese und andere Fragen zu beantworten, beschäftigt sich die Hochschule Koblenz im Auftrag des Bildungsministeriums intensiv mit dem Thema Kinderschutz und Kinderrechte.
Auf der Projektwebseite sind Informationen zu den Aufgaben der einzelnen Rollen der Verantwortungsgemeinschaft zu finden. Diese sogenannten “Rollenkarten” bieten einen groben Überblick, wo und wie die jeweiligen Personenkreise hinsichtlich Kinderschutz tätig werden können. Folgende Rollenkarten sind verfügbar:
In kommenden Beiträgen werden wir auf das Thema weiter eingehen, denn wir sind uns einig mit der Kooperation der Kita-Fachkräfteverbände:
Politik und Träger müssen endlich handeln und verlässliche Strukturen schaffen, die Kinder wirklich schützen. Jeder Vorfall ist einer zu viel.
Kinderschutz ist nicht verhandelbar!
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