Die Nachricht geht aktuell bundesweit durch die Medien: In einer Kindertagesstätte in der Verbandsgemeinde Edenkoben werden einem Mitarbeiter sexuelle Übergriffe auf Kinder vorgeworfen. Der Beschuldigte ist seit mehreren Monaten von seinem Arbeitgeber freigestellt, dennoch wurden die Eltern erst Anfang Februar über diese Situation informiert — auch die der betroffenen Kinder.
Das Kreisjugendamt Südliche Weinstraße hat sich außerhalb seiner gesetzlichen Zuständigkeit in die Koordination der weiteren Schritte eingeschaltet und steht im Austausch mit allen beteiligten Stellen, darunter auch dem Kreiselternausschuss. Erforderlich wurde dies, weil die regulären Schutzmechanismen der Verantwortlichen nicht oder zumindest viel zu träge gegriffen haben. Nicht erst die Vorwürfe sexuell ausgerichteter Übergriffe hätten konsequentes Handeln erfordert, Berichte über kindeswohlgefährdendes Verhalten des Mitarbeiters lagen den Zuständigen Stellen schon sehr viel früher vor. Völlig unabhängig davon, ob sich die Vorwürfe der sexuellen Übergriffe bestätigen werden oder nicht — auch anderweitige verletzende Verhaltensweisen gegenüber Kindern sind nicht tolerierbar!
Wir begrüßen das Eingreifen des Kreisjugendamtes daher ausdrücklich, es war ein wichtiger Schritt im Sinne des Kindeswohls!
Auch wir als KEA nehmen unsere Verantwortung als Elternvertretung im Landkreis sehr ernst und bringen uns konstruktiv sowie begleitend in den Prozess ein. Unser Ziel ist es, Transparenz, Unterstützung und Austausch für betroffene Familien zu fördern sowie, wo immer möglich und erforderlich, den Elternausschuss der betroffenen Kita und weitere Beteiligte zu unterstützen. Dabei ist es uns besonders wichtig, den Anliegen und Interessen der Eltern Gehör zu verschaffen.
Wir unterstützen ausdrücklich das Ziel aller Beteiligten, eine rasche und vollständige Klärung der Vorwürfe zu erreichen. Darüber hinaus halten wir eine transparente Aufarbeitung der Melde- und Handlungsabläufe für notwendig und setzen uns für die Wiederherstellung eines vertrauensvollen Miteinanders zwischen Eltern und Kita ein. Wir verstehen unsere Rolle dabei als kritische Begleitung im Interesse der Eltern und letztlich der betroffenen Kinder. Grundsätzlich darf neben der erforderlichen und konsequenten Verfolgung der Täter die Unterstützung der Opfer nicht vergessen werden. Auch diesbezüglich möchten wir das Vorgehen des Kreisjugendamtes positiv hervorheben, welches den betroffenen Eltern im aktuellen Fall über den Kinderschutzdienst jede erforderliche Unterstützung zukommen lässt.
Information bedeutet Prävention
Unser aktueller Newsletter beinhaltet auch weitere Artikel zum Thema Kinderschutz, was nicht dem aktuellen Vorfall geschuldet ist. Dieser ist lediglich eine Bestätigung dafür, dass Studienergebnisse zu verletzendem Verhalten leider keine theoretischen oder weit entfernten Umstände ans Tageslicht befördern. Verletzende Verhaltensweisen, egal ob sexueller Natur oder nicht, sind Realität und können überall vorkommen — Auch in der eigenen Kita.
Daher ist es unerlässlich, dass Eltern und Fachkräfte eine Haltung des Hinschauens entwickeln und Vorkommnisse melden. Wegschauen darf keine Option sein! Kinder im Kita-Alter sind besonders verletzlich und darauf angewiesen, dass Erwachsene Verantwortung übernehmen. Dies gilt insbesondere auch für Fachkräfte, die inakzeptable Verhaltensweisen bei Kollegen und Kolleginnen beobachten. Was selbstverständlich sein sollte, erfordert in der Realität leider großen Mut. Wie die jüngste Studie der Bertelsmann-Stiftung aufzeigt, sind die Hinderungsgründe vielfältig. Daher bedarf es auch für Fachkräfte Unterstützung. Die Broschüre Nicht Wegschauen! des Kreisjugendamtes in Kooperation mit dem Kinderschutzdienst soll dabei Handlungssicherheit bieten.
Für den Fall sexuell ausgerichteter Übergriffe haben wir einen Flyer für Eltern entwickelt, welcher eine erste Hilfestellung im Verdachtsfall sein soll. Dort finden sich auch weiterführende Links.
Darüber hinaus existieren vielfältige Infomationsmaterialien und Unterstützungsangebote. Formal zuständig für den Kinderschutz in Kitas ist das Landesjugendamt, welches Beschwerden aufnehmen und bearbeiten muss. Vorgelagert kann man sich dort aber auch selbstverständlich beraten lassen. Weitere Anlaufstellen im Kreis SÜW sind z.B. der Kinderschutzbund (“Blauer Elefant”) oder das Jugendamt.
Sollten Eltern beobachten oder den Verdacht haben, dass im Kita-Alltag kindeswohlgefährdendes Verhalten stattfinden könnte, ist auch der Kreiselternausschuss eine vertrauliche Anlaufstelle für Beratung, Einschätzung und Orientierung zu möglichen nächsten Schritten. Wir unterstützen dabei, strukturiert und sicher vorzugehen.
Infoveranstaltungen geplant
In den kommenden Wochen planen wir Online- und Präsenzveranstaltungen zum Thema Kinderschutz in Kitas mit fachlichem Input, Raum für Austausch und praktischen Hilfestellungen. Weitere Informationen folgen.



