Als KREISELTERNAUSSCHUSS SÜDLICHE WEINSTRASSE – KEA SÜW – vertreten wir als ehrenamtliches, gewähltes, überörtliches Gremium die Belange der Kinder, Eltern und jungen Familien gegenüber allen Akteuren im Kita-Umfeld.
Es geht heiß her in den Kitas — aktuell insbesondere aufgrund der beinahe unerträglichen Temperaturen. Für die Erwachsenen stellen diese Extremtemperaturen eine Herausforderung dar. Noch empfindlicher gegenüber dieser Hitze sind allerdings die Kinder. Extrem hohe Sommertemperaturen erfordern daher in Kindertagesstätten ein sorgsames Abwägen zwischen dem Gesundheitsschutz der Kinder, den gesetzlichen Vorgaben des Arbeitsschutzes und der Verlässlichkeit für berufstätige Familien. Da der Organismus von Kleinkindern Hitze noch nicht optimal regulieren kann, gelten an heißen Tagen besondere Verhaltensregeln und Schutzmaßnahmen.
Auch die Verkürzung von Öffnungszeiten kann dabei ein erforderliches Mittel sein, um das Wohl der Kinder (und auch des Personals) zu gewährleisten. Die Verantwortung hierfür liegt immer beim Träger der Einrichtung. Dabei gilt aber der Grundsatz, dass zunächst organisatorische und technische Maßnahmen ergriffen werden müssen, um die Belastung zu senken. Die gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) und das Arbeitsstättenrecht (ArbStättV) geben klare Grenzwerte vor. Erst bei extremen Innentemperaturen von über 35 °C gelten Räume rechtlich als nicht mehr nutzbar. Dass es bereits weit vor Erreichung dieses Grenzwertes eine Herausforderung ist, den Alltag in der Kita zu verbringen, steht außer Frage. Daher muss der Träger seiner Verantwortung rechtzeitig nachkommen und bestmöglich für Minderung der Belastung sorgen. Laut Arbeitsstättenverordnung sollen bereits ab 26°C Maßnahmen ergriffen werden, ab 30°C sind diese verpflichtend. Erste Maßnahme darf niemals eine Verkürzung der Öffnungszeiten sein, schon gar nicht über einen längeren Zeitraum hinweg.
Gleichzeitig ist zu berücksichtigen, dass Kinder auch außerhalb der Kita den hohen Temperaturen ausgesetzt sind. Eine Verkürzung der Betreuungszeiten führt daher nicht automatisch zu einer Entlastung im Sinne des Gesundheitsschutzes. Vielmehr kann die Situation für manche Familien sogar herausfordernder werden, wenn geeignete kühlere Räume oder Betreuungsmöglichkeiten zu Hause nicht in gleichem Maße vorhanden sind. Umso wichtiger ist es, innerhalb der Einrichtungen durch geeignete Maßnahmen bestmöglich für Abkühlung, Schutz und Struktur zu sorgen und dadurch einen verlässlichen und sicheren Rahmen für die Kinder zu gewährleisten.
Zum Thema Hitzeschutz ist zahlreiches Informationsmaterial im Internet vorhanden. Anbei einige Links zu hilfreichen Webseiten offizieller Stellen. In den einzelnen Artikeln finden sich auch Tipps & Verweise auf geeignete Maßnahmen und die rechtlichen Grundlagen.
Die Nachricht geht aktuell bundesweit durch die Medien: In einer Kindertagesstätte in der Verbandsgemeinde Edenkoben werden einem Mitarbeiter sexuelle Übergriffe auf Kinder vorgeworfen. Der Beschuldigte ist seit mehreren Monaten von seinem Arbeitgeber freigestellt, dennoch wurden die Eltern erst Anfang Februar über diese Situation informiert — auch die der betroffenen Kinder.
Das Kreisjugendamt Südliche Weinstraße hat sich außerhalb seiner gesetzlichen Zuständigkeit in die Koordination der weiteren Schritte eingeschaltet und steht im Austausch mit allen beteiligten Stellen, darunter auch dem Kreiselternausschuss. Erforderlich wurde dies, weil die regulären Schutzmechanismen der Verantwortlichen nicht oder zumindest viel zu träge gegriffen haben. Nicht erst die Vorwürfe sexuell ausgerichteter Übergriffe hätten konsequentes Handeln erfordert, Berichte über kindeswohlgefährdendes Verhalten des Mitarbeiters lagen den Zuständigen Stellen schon sehr viel früher vor. Völlig unabhängig davon, ob sich die Vorwürfe der sexuellen Übergriffe bestätigen werden oder nicht — auch anderweitige verletzende Verhaltensweisen gegenüber Kindern sind nicht tolerierbar! Wir begrüßen das Eingreifen des Kreisjugendamtes daher ausdrücklich, dies war ein wichtiger Schritt im Sinne des Kindeswohls!
Auch wir als KEA nehmen unsere Verantwortung als Elternvertretung im Landkreis sehr ernst und bringen uns konstruktiv sowie begleitend in den Prozess ein. Unser Ziel ist es, Transparenz, Unterstützung und Austausch für betroffene Familien zu fördern sowie, wo immer möglich und erforderlich, den Elternausschuss der betroffenen Kita und weitere Beteiligte zu unterstützen. Dabei ist es uns besonders wichtig, den Anliegen und Interessen der Eltern Gehör zu verschaffen. Wir unterstützen ausdrücklich das Ziel aller Beteiligten, eine rasche und vollständige Klärung der Vorwürfe zu erreichen. Darüber hinaus halten wir eine transparente Aufarbeitung der Melde- und Handlungsabläufe für notwendig und setzen uns für die Wiederherstellung eines vertrauensvollen Miteinanders zwischen Eltern und Kita ein. Wir verstehen unsere Rolle dabei als kritische Begleitung im Interesse der Eltern und letztlich der betroffenen Kinder. Grundsätzlich darf neben der erforderlichen und konsequenten Verfolgung der Täter die Unterstützung der Opfer nicht vergessen werden. Auch diesbezüglich möchten wir das Vorgehen des Kreisjugendamtes positiv hervorheben, welches den betroffenen Eltern im aktuellen Fall über den Kinderschutzdienst jede erforderliche Unterstützung zukommen lässt.
Information bedeutet Prävention
Unser aktueller Newsletter beinhaltet auch weitere Artikel zum Thema Kinderschutz, was nicht dem aktuellen Vorfall geschuldet ist. Dieser ist lediglich eine Bestätigung dafür, dass Studienergebnisse zu verletzendem Verhalten leider keine theoretischen oder weit entfernten Umstände ans Tageslicht befördern. Verletzende Verhaltensweisen, egal ob sexueller Natur oder nicht, sind Realität und können überall vorkommen — Auch in der eigenen Kita. Daher ist es unerlässlich, dass Eltern und Fachkräfte eine Haltung des Hinschauens entwickeln und Vorkommnisse melden. Wegschauen darf keine Option sein! Kinder im Kita-Alter sind besonders verletzlich und darauf angewiesen, dass Erwachsene Verantwortung übernehmen. Dies gilt insbesondere auch für Fachkräfte, die inakzeptable Verhaltensweisen bei Kollegen und Kolleginnen beobachten. Was selbstverständlich sein sollte, erfordert in der Realität leider großen Mut. Wie die jüngste Studie der Bertelsmann-Stiftung aufzeigt, sind die Hinderungsgründe vielfältig. Daher bedarf es auch für Fachkräfte Unterstützung. Die Broschüre Nicht Wegschauen! des Kreisjugendamtes in Kooperation mit dem Kinderschutzdienst soll dabei Handlungssicherheit bieten. Auch der aktuelle Fachtext “Kitas als sichere Orte für Kinder — Kinderschutz in Kindertageseinrichtungen” (Prof. Dr. Jörg Maywald, 2026) gibt Hinweise und Hilfestellungen für Fachkräfte.
Für den Fall sexuell ausgerichteter Übergriffe haben wir einen Flyer für Eltern entwickelt, welcher eine erste Hilfestellung im Verdachtsfall sein soll. Dort finden sich auch weiterführende Links.
Darüber hinaus existieren vielfältige Infomationsmaterialien und Unterstützungsangebote. Formal zuständig für den Kinderschutz in Kitas ist das Landesjugendamt, welches Beschwerden aufnehmen und bearbeiten muss. Vorgelagert kann man sich dort aber auch selbstverständlich beraten lassen. Weitere Anlaufstellen im Kreis SÜW sind z.B. der Kinderschutzbund (“Blauer Elefant”) oder das Jugendamt.
Sollten Eltern beobachten oder den Verdacht haben, dass im Kita-Alltag kindeswohlgefährdendes Verhalten stattfinden könnte, ist auch der Kreiselternausschuss eine vertrauliche Anlaufstelle für Beratung, Einschätzung und Orientierung zu möglichen nächsten Schritten. Wir unterstützen dabei, strukturiert und sicher vorzugehen.
Infoveranstaltungen geplant
In den kommenden Wochen planen wir Online- und Präsenzveranstaltungen zum Thema Kinderschutz in Kitas mit fachlichem Input, Raum für Austausch und praktischen Hilfestellungen. Weitere Informationen folgen.
Den meisten Kindern geht es gut in der Kita. Dennoch geht das, was Studien regelmäßig zu Tage fördern, über die Definition von “Einzelfällen” weit hinaus. Verletzendes Verhalten gegenüber Kindern ist an der Tagesordnung in der Kita — allerdings auch im Elternhaus. In den überwiegenden Fällen geschieht dies unbewusst und ohne böse Absicht. Dieser Artikel soll daher nicht anprangern sondern sensibilisieren. Denn um es mit den Worten der aktuellen Initiative der Bertelsmann-Stiftung auszudrücken:Es geht um jedes Kind!
Es sind erschreckende Zahlen, die eine aktuelle bundesweite Studie der Bertelsmann Stiftung in Kooperation mit der Universität Gießen erhebt. Die Befragung von über 21.000 Fachkräften ergab, dass verletzendes Verhalten in der Fachkraft-Kind-Interaktion häufig an der Tagesordnung ist, auch wenn die Erfahrungen der Kinder in der Kita überwiegend positiv sind. Der Untertitel der Studie: “Praxis zeigt dringenden Handlungsbedarf!”
25 % der befragten Fachkräfte beobachten an den meisten Tagen oder öfter Situationen, in denen der Schutz der Kinder erforderlich wäre
Noch deutlicher fällt die Einschätzung der befragten Erzieherinnen und Kindheitspädagoginnen in Ausbildung aus. Hier liegt der Anteil derjenigen, die „an den meisten Tagen“ oder häufiger pädagogisches Fehlverhalten beobachten sogar bei knapp 38% ! Über die Ursachen hierfür lässt die Studie keine konkreten Rückschlüsse zu. Es kann aber vermutet werden, dass Auszubildende und Studierende aufgrund aktuellerer pädagogischer Sichtweisen Situationen anders einschätzen.
Der Studie beschreibt ebenfalls, dass oft kein allgemeiner Konsens darüber herrsche, ob eine Situation den Schutz der Kinder überhaupt erfordern würde und dass diese Einschätzungen oft nur gravierende Fälle erfasse. Die tatsächliche Häufigkeit von Fehlverhalten wird systematisch unterschätzt, da nicht alle Vorfälle überhaupt beobachtet, als gravierend genug eingeschätzt werden und auch Resignation oder Abstumpfung zu einer toleranteren Einschätzung führe. Insgesamt gibt es eine nicht quantifizierbare Dunkelziffer von Fehlverhalten gegenüber Kindern in der vorliegenden Stichprobe.
Die Frage, wo verletzendes Verhalten gegenüber Kindern beginnt, wird im wissenschaftlichen Kontext relativ eindeutig beantwortet. Wenn grundlegende Bedürfnisse wie Respekt, Sicherheit und emotionale Unterstützung nicht erfüllt werden, dies sich in mangelnder Geduld, Wertschätzung oder verbaler/körperlicher Aggression äußert, ist bereits eine verletzende Grenzüberschreitung erfolgt. Die Verhaltensweisen reichen von Subtilen bis hin zu offensichtlicher körperlicher Gewalt. Bereits ein Augenrollen oder ein ironischer Unterton können als verletzendes Verhalten eingeordnet werden. Oder ein schlichtes Wegschauen, wenn jemand anderes sich solcher Verhaltensweisen bedient.
Konsequenter Kinderschutz im Kita-Alltag bedeutet, dass Fehlverhalten gegenüber Kindern nicht relativiert oder unter den Teppich gekehrt, sondern benannt und angesprochen wird sowie zu entsprechenden Konsequenzen führt.
Verband der Kita-Fachkräfte RLP
Stress, Überforderung und Unstimmigkeiten innerhalb des Teams können Gründe dafür sein, wenn Mitarbeitende in Kitas im Umgang mit den ihnen anvertrauten Kindern nicht immer angemessen reagieren. Klar ist jedoch: Solche Situationen belasten auch das gesamte Team erheblich. Auch individuell wird von einer großen Belastung durch Fehlverhalten von Teammitgliedern berichtet. Doch nicht nur das eigene Gewissen verpflichtet eigentlich dazu, NICHT weg zuschauen, sondern auch das Gesetz. Wer gravierende Vorfälle beobachtet und nicht meldet, macht sich unter Umständen selbst strafbar.
69 % der Fachkräfte geben an, sich stark oder eher stark belastet zu fühlen, wenn sie Situationen miterleben, in denen der Schutz der Kinder erforderlich wäre. Es greifen allerdings lediglich 4% immer ein, ein Fünftel in weniger als 30 %!
Gleichzeitig erschreckt der Umkehrschluss: Rund ein Drittel der Fachkräfte, die verletzendes Verhalten gegenüber Kindern beobachten, fühlen sich dadurch eher nicht belastet!
„Schon ein einziger Vorfall, bei dem das Wohl eines Kita-Kindes möglicherweise gefährdet ist, ist ein ernstes Problem – nicht nur für die Eltern, sondern auch für die Fachkräfte. Die meisten Mitarbeitenden stellen hohe Ansprüche an ihre Arbeit und wünschen sich in solchen sensiblen Fällen Unterstützung. Dabei ist besonders das Vertrauen und die Zusammenarbeit im gesamten Kita-Team entscheidend“, erklärt Anette Stein, Expertin der Bertelsmann Stiftung für frühkindliche Bildung.
Ausreichende Personalausstattung ist wichtig, aber alleine nicht ausreichend. Die Befragung zeigt außerdem: In gut besetzten Kita-Teams laufen die Arbeitsprozesse reibungsloser, während unterbesetzte Teams öfter mit Schwierigkeiten kämpfen. Die Bertelsmann Stiftung und auch der Fachkräfteverband RLP haben bereits früher darauf hingewiesen, dass Unterbesetzung, Überlastung und hohe Fluktuation im Kita-Bereich einen gefährlichen Kreislauf bilden. „Eine angemessene Personalausstattung ist eine notwendige Grundlage für eine kindgerechte Betreuung. Unsere Daten machen jedoch deutlich, dass sie nur dann den Schutz und das Wohlergehen der Kinder verbessert, wenn sie auch zu einer besseren Teamarbeit beiträgt“, betont Kathrin Bock-Famulla, ebenfalls Expertin für frühkindliche Bildung bei der Stiftung.
Die Studie unterstreicht, dass pädagogische Fachkräfte ihr eigenes Verhalten gegenüber den Kindern regelmäßig hinterfragen und im Kollegium sowie mit der Leitung besprechen müssen. Grundlegende Fähigkeiten hierzu werden bereits in der Ausbildung zum staatlich anerkannten Erzieher oder zur Erzieherin vermittelt. Der Anteil an Kita-Teams mit einem hohen Anteil entsprechend qualifizierter Fachkräfte ist jedoch seit geraumer Zeit rückläufig,
Mehr Fachberatung, bessere Leitungsressourcen und gezielte Qualifizierung. Die Bertelsmann Stiftung empfiehlt daher, an mehreren Stellschrauben zugleich zu drehen. So sollten Fachberatungsangebote für Kitas personell und zeitlich ausgeweitet werden, um Teams eine bessere Unterstützung zu ermöglichen – insbesondere auch bei gemeinsamen Reflexionsprozessen. Formate, die eine offene Fehlerkultur und konstruktives Feedback fördern sowie klare Vereinbarungen zum angemessenen Verhalten schaffen, sind ebenfalls sinnvoll. Hierfür tragen auch die Träger eine besondere Verantwortung. Gleichzeitig ist es zentral, den Anteil pädagogisch qualifizierter Fachkräfte in Kitas langfristig wieder zu erhöhen. Sinkende Kinderzahlen sollten genutzt werden, das Fachkraft-Kind-Verhältnis zu verbessern und gleichzeitig einen qualitativen Ausbau der Betreuungsqualität zu forcieren — nicht um Kita-Plätze zu reduzieren und Personalkosten einzusparen.
Die Informationsquellen zum Thema verletzendes Verhalten sind vielfältig. In einem früheren Beitraghatten wir das Thema bereits aufgegriffen und zahlreiche unterstützende Materialien verlinkt. Auch auf Landesebene wurde das Thema Kinderschutz erst kürzlich aufgegriffen, worüber wir in diesem Artikel berichtet hatten. Ein detaillierter Blick in die aktuelle Bertelsmann-Studie lohnt sich insbesondere auch für Fachkräfte, Leitungen und Träger, enthält sie doch auch konkrete Handlungsempfehlungen.
Für Interessierte, die einen ersten Einblick in die Thematik auf der “Tonspur” erhalten wollen, empfehlen wir folgende Podcasts des IBEBs:
Kitas sind Orte der Bildung. Kinder sollten dort auch eine konstruktive Fehlerkultur lernen. Dies gelingt nur, wenn wir Erwachsenen ihnen das vorleben und uns auch sachlich mit negativen Themen auseinandersetzen. Reflexionskompetenz, Schutzkonzept, Kindeswohl als oberstes Gebot — all das dürfen nicht nur Begriffe aus der Fachliteratur sein. Die dazu erforderlichen personellen Ressourcen bilden die Grundlage hierfür.
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