KINDER ALS STEUERTREIBER?

Sie­ben Jah­re sind seit der Ver­ab­schie­dung des „neu­en“ rhein­land-pfäl­zi­schen Kita-Geset­zes ver­gan­gen, das allen Kin­dern seit 2021 eine wohn­ort­na­he, durch­gän­gi­ge Betreu­ung über Mit­tag zusi­chert. Doch selbst fünf Jah­re nach Inkraft­tre­ten des Rechts­an­spruchs müs­sen sich vie­ler­orts Eltern wei­ter­hin mit soge­nann­ten „Teil­zeit-Plät­zen“ begnü­gen. Auch Fami­li­en in Gleis­wei­ler sind davon betroffen.

Der schier end­lo­se Abwä­gungs­pro­zess, ob die Kita in Frank­wei­ler saniert oder neu gebaut wer­den soll, fand erst 2025 ein Ende. Für vie­le Eltern aus Gleis­wei­ler keim­te damit Hoff­nung auf: Nach Jah­ren der Unsi­cher­heit schien end­lich die Aus­sicht auf einen Kita-Platz greif­bar, der die Ver­ein­bar­keit von Fami­lie und Beruf ermög­licht – und das in einem moder­nen Neubau.

Umso grö­ßer war die Ent­täu­schung, als der Gemein­de­rat Gleis­wei­ler ent­schied, die Kin­der künf­tig nicht in Frank­wei­ler, son­dern in Rosch­bach unter­zu­brin­gen. Die­se Ent­schei­dung stieß bei den Eltern aus meh­re­ren Grün­den auf deut­li­che Kri­tik. Ihre Ein­wän­de wur­den dem Gemein­de­rat aus­führ­lich und sach­lich dar­ge­legt. Ent­ge­gen vor­he­ri­ger Zusi­che­run­gen fand der Eltern­wil­le in der abschlie­ßen­den Beschluss­fas­sung jedoch kei­ne Berück­sich­ti­gung. In den pro­to­kol­lier­ten Bera­tun­gen stan­den aus­schließ­lich finan­zi­el­le Aspek­te im Mittelpunkt.

Die finan­zi­el­le Argu­men­ta­ti­on erscheint auf den ers­ten Blick ein­deu­tig: Die Kos­ten­be­tei­li­gung der Gemein­de in Rosch­bach liegt etwa bei der Hälf­te des­sen, was in Frank­wei­ler zu zah­len wäre. Die hier­für not­wen­di­gen Mit­tel sei­en zudem ohne zusätz­li­che Ver­schul­dung auf­zu­brin­gen. Unbe­rück­sich­tigt blie­ben dabei jedoch die Bedürf­nis­se von Eltern und Kin­dern – also jener Men­schen, die die prak­ti­schen Kon­se­quen­zen die­ser Ent­schei­dung im All­tag tra­gen müs­sen. Wäh­rend die Fami­li­en län­ge­re Wege und orga­ni­sa­to­ri­sche Mehr­be­las­tun­gen bewäl­ti­gen müs­sen, über­nimmt der Kreis die Kos­ten für den Bus­trans­port der Kin­der in eine zwei Ort­schaf­ten ent­fern­te Kita.

Gleich­zei­tig berich­tet die Rhein­pfalz in ihrer Aus­ga­be vom 11. März, dass die Gemein­de ihre finan­zi­el­le Situa­ti­on trotz der Ent­schei­dung zuguns­ten der güns­ti­ge­ren Vari­an­te ver­bes­sern muss – unter ande­rem durch eine Erhö­hung der Zweit­wohn­sitz­steu­er sowie die Ein­füh­rung einer Bet­ten­steu­er. Grund­sätz­lich ist der Gedan­ke durch­aus nach­voll­zieh­bar, durch Ein­nah­men aus dem Tou­ris­mus die eige­nen kom­mu­na­len Auf­ga­ben zu stär­ken. Pro­ble­ma­tisch wird es jedoch, wenn sich für die eige­nen Kin­der gleich­zei­tig die Bedin­gun­gen ver­schlech­tern und der Ein­druck ent­steht, sie sei­en Anlass für Steuererhöhungen.

Dabei scheut die Gemein­de offen­bar weder Mühen noch Kos­ten, um die in Erb­pacht über­nom­me­ne Zehnt­scheu­ne von ihren zahl­rei­chen bau­li­chen Män­geln zu befrei­en. Auch wenn die­ses Pro­jekt im Sin­ne der Dorf­ge­mein­schaft rich­tig und wich­tig ist, han­delt es sich hier­bei jedoch um eine frei­wil­li­ge Leis­tung – wäh­rend die Bereit­stel­lung von Kita-Plät­zen zu den Pflicht­auf­ga­ben einer Kom­mu­ne zählt.

„Aus rein finan­zi­el­ler Sicht ist die Ent­schei­dung für Rosch­bach sicher­lich nach­voll­zieh­bar. Dass man nun aber den Kin­dern auch noch den schwar­zen Peter für Steu­er­erhö­hun­gen zuschiebt, ist ein Schlag ins Gesicht für jun­ge Fami­li­en“, kri­ti­siert Chris­ti­an Stre­cker, Vor­sit­zen­der des Kreis­eltern­aus­schus­ses Süd­li­che Weinstraße.

Die Eltern der der­zei­ti­gen Kita-Kin­der aus Gleis­wei­ler wer­den die unmit­tel­ba­ren Fol­gen die­ser Ent­schei­dung kaum noch spü­ren: Ihre Kin­der blei­ben bis zum Schul­ein­tritt wei­ter­hin in Frank­wei­ler. Die lang­fris­ti­ge Per­spek­ti­ve scheint jedoch aus dem Blick gera­ten zu sein. Gera­de für jun­ge Fami­li­en spielt die Erreich­bar­keit einer Kita eine ent­schei­den­de Rol­le bei der Wahl ihres Wohn­or­tes. Auch eine Hal­tung, die Kin­der nicht nur als Kos­ten­fak­to­ren oder Steu­er­trei­ber aner­kennt, ist sicher von Rele­vanz. Wer Gleis­wei­ler auch künf­tig für Fami­li­en attrak­tiv hal­ten möch­te, soll­te die­se Fak­to­ren berücksichtigen.

Ob Tou­ris­ten und Wochen­end­haus­be­sit­zer lang­fris­tig wert­vol­ler für eine funk­tio­nie­ren­de Dorf­ge­mein­schaft sind als der eige­ne Nach­wuchs, mag Ansichts­sa­che sein. Sicher ist jedoch: Es sind die heu­ti­gen Kin­der, die sich in den kom­men­den Jahr­zehn­ten um das Dorf und sei­ne Gebäu­de –auch um die Zehnt­scheu­ne – küm­mern wer­den.

Fami­li­en­ori­en­tier­te Kom­mu­nal­po­li­tik sieht anders aus.

ONLINE-VERANSTALTUNG: SEXUALISIERTE GEWALT

Auf­grund der aktu­el­len Ereig­nis­se in der Regi­on hat sich der KEA SÜW mit wei­te­ren Kreis- und Stadt­el­tern­aus­schüs­sen zusam­men­ge­schlos­sen und lädt alle Eltern, Fach­kräf­te, Trä­ger und sons­ti­ge Inter­es­sier­ten zur einem Online-Info­abend ein:

Hin­schau­en statt Weg­schau­en!
Von Offen­sicht­li­chem und Uner­war­te­tem
Sexua­li­sier­te Gewalt erken­nen und dage­gen han­deln!
Online-Infor­ma­ti­ons­ver­an­stal­tung für Eltern und Fachkräfte

Don­ners­tag, 12. März 2026
Beginn: 20 Uhr via Micro­soft Teams

Sexua­li­sier­te Gewalt an Kin­dern ist ein erns­tes gesell­schaft­li­ches Pro­blem, das in vie­len For­men auf­tre­ten kann. Der Fall im Kreis Süd­li­che Wein­stra­ße zeigt umso deut­li­cher wie aktu­ell die­se The­ma­tik ist. Jedes Jahr sind zahl­rei­che Kin­der und Jugend­li­che betrof­fen, und die Aus­wir­kun­gen sind oft tief­grei­fend und lang­an­hal­tend. Es ist ent­schei­dend, dass wir als Gesell­schaft die­ses The­ma offen anspre­chen, um Betrof­fe­nen zu hel­fen und Prä­ven­ti­ons­maß­nah­men zu entwickeln.

Die Ver­an­stal­tung zielt dar­auf ab, die Wahr­neh­mung für die ver­schie­de­nen Facet­ten sexua­li­sier­ter Gewalt zu schär­fen. Wir möch­ten über die Anzei­chen und Sym­pto­me infor­mie­ren, die auf eine sol­che Gewalt hin­wei­sen kön­nen, und dar­über, wie wir unse­re Kin­der davor schüt­zen kön­nen. Aber auch Hil­fe­stel­lung geben wie im Fall eines Ver­dachts damit umge­gan­gen wer­den soll und wie etwa­ige Mel­de­sys­te­me funk­tio­nie­ren. Hier­zu wird unter ande­rem Fran­zis­ka Bür­ker als Exper­tin für Kin­der­schutz und Kin­der­rech­te sowie die Staats­an­wäl­tin Elsa Col­len­burg referieren.

Die Zugangs­da­ten wer­den Ihnen weni­ge Tage vor der Ver­an­stal­tung auto­ma­tisch per Mail zugeschickt.

Für Rück­fra­gen zur Ver­an­stal­tung steht der KEA SÜW jeder­zeit zur Verfügung.

VORSTAND DES KREISELTERNAUSSCHUSSES NEU GEWÄHLT

Bereits Mit­te Dezem­ber fand die Voll­ver­samm­lung des Kreis­eltern­aus­schus­ses SÜW (KEA SÜW) mit Neu­wah­len des Vor­stan­des statt. Der KEA SÜW besteht aus den Dele­gier­ten der 76 Kin­der­ta­ges­ein­rich­tun­gen im Land­kreis und wählt alle zwei Jah­re sei­nen Vor­stand sowie die Dele­gier­ten für den Lan­des­el­tern­aus­schuss (LEA RLP). Zu die­sem Zweck ver­sam­mel­ten sich auf Ein­la­dung des Kreis­ju­gend­am­tes 71 wahl­be­rech­tig­te Dele­gier­te sowie wei­te­re inter­es­sier­te Eltern im Casi­no des Kreishauses. 

Inhalt der Ver­an­stal­tung waren neben den Neu­wah­len die Vor­stel­lung der Auf­ga­ben des KEA durch das Kreis­ju­gend­amt sowie der Jah­res­be­richt des bis­he­ri­gen Vor­stan­des. In die­sem stell­te Chris­ti­an Stre­cker, seit 2021 Vor­sit­zen­der des KEA SÜW, die Akti­vi­tä­ten des ver­gan­ge­nen Jah­res vor. Er gab einen Ein­blick in die viel­schich­ti­gen Tätig­kei­ten des KEA-Vor­stan­des, dar­un­ter zum Bei­spiel die Bera­tung von Eltern­auss­schüs­sen oder den regel­mä­ßi­gen Aus­tausch mit dem Jugend­amt zu sämt­li­chen Kita-rele­van­ten The­men. Auch die gesetz­li­chen Auf­ga­ben hin­sicht­lich Bedarfs­pla­nung und Jugend­hil­fe­aus­schuss neh­me der Vor­stand sehr aktiv wahr und ver­su­che mit kon­struk­ti­ven Bei­trä­gen die Eltern­in­ter­es­sen ein­zu­brin­gen. „Der KEA SÜW hat sich in den ver­gan­ge­nen Jah­ren durch eine gute Kennt­nis des Kita-Sys­tems und zahl­rei­che, gut besuch­te Online-Info-Ver­an­stal­tun­gen eta­bliert. Auch unser Bera­tungs­an­ge­bot wird von vie­len Eltern­aus­schüs­sen wahr­ge­nom­men. Die zahl­rei­che Teil­nah­me an der Voll­ver­samm­lung neh­men wir als ein posit­ves Feed­back wahr. Das freut uns sehr.“, so Chris­ti­an Stre­cker.
Abschlie­ßend bedank­te sich der bis­he­ri­ge Vor­sit­zen­de bei den schei­den­den Vor­stands­mit­glie­dern, allen enga­gier­ten Fach­kräf­ten, Trä­gern, Eltern und dem Kreis­ju­gend­amt für die gute Zusam­men­ar­beit der letz­ten bei­den Jahre. 

In der anschlie­ßen­den Wahl wähl­ten die KEA-Dele­gier­ten fol­gen­de Per­so­nen in den Vor­stand für die Wahl­pe­ri­ode 2025–2027: Gre­gor Bau­er (Schweig­ho­fen) , Anja Bur­ger (Ann­wei­ler), Kris­tin Dan­nen­ber­ger (Edes­heim), Jaque­line Gabri­el (Ram­berg), Sarah Her­zog-Arvan­di (Bad Bergza­bern), Kers­tin Krug (Schweig­ho­fen), Sarah Leh­nert (Herx­heim), Chris­ti­an Stre­cker (Ober­ot­ter­bach), Dan­ny Sut­ton (Rhodt) und Jas­min Von­nie­da (Frei­mers­heim). Die Voll­ver­samm­lung wähl­te außer­dem zu Dele­gier­ten für den Lan­des­el­tern­aus­schuss: Sebas­ti­an Plötz­gen (Herx­heim) und Chris­ti­an Stre­cker. Ersatz­de­le­gier­te wur­den Nina Becker (Bad Bergza­bern) und Jaque­line Gabriel.

In der im Anschluss statt­ge­fun­de­nen kon­sti­tu­ie­ren­den Sit­zung unter Lei­tung des Jugend­am­tes bestä­tig­te der neue KEA-Vor­stand Chris­ti­an Stre­cker in sei­ner Funk­ti­on als Vor­sit­zen­den. Als sei­ne Stell­ver­tre­te­rin wur­de Anja Bur­ger berufen.

„Ich freue mich sehr auf die kom­men­den zwei Jah­re und mei­ne neue Auf­ga­be als stell­ver­tre­ten­de Vor­sit­zen­de. Wir haben auch bei die­ser Wahl wie­der eine tol­le Mischung aus erfah­re­nen und neu­en Eltern­ver­tre­tern mit fri­schen Ideen für die Arbeit auf Kreis­ebe­ne bekom­men. Die­se Kon­stel­la­ti­on ist denk­bar güns­tig!“, zieht Anja Bur­ger ihr Résu­mé zur Wahlveranstaltung.

Der Vor­stand des Kreis­eltern­aus­schus­ses ist auch wei­ter­hin auf gewohn­tem Weg erreichbar

Foto: KV SÜW
Vor­de­re Rei­he von links nach rechts:
Han­ne­lo­re Schla­ge­ter (Lei­tung des Jugend­am­tes) Sarah Leh­nert, Jas­min Von­nie­da, Nina Becker, Sarah Her­zog-Arvan­di, Jaque­line Gabri­el, Kers­tin Krug, Anja Bur­ger, Gre­gor Bau­er
Hin­te­re Rei­he: Chris­ti­an Stre­cker, Sebas­ti­an Plötz­gen, Dan­ny Sut­ton
Es fehlt: Kris­tin Dannenberger

Zur Pres­se­mit­tei­lung der Kreis­ver­wal­tung SÜW