“Erschreckend, aber nicht überraschend” könnte erneut der Untertitel einer aktuellen Studie der Bertelsmann-Stiftung lauten. Die Untersuchung verdeutlicht gravierende Mängel im Kita-Alltag, da notwendige Weiterqualifizierungen oft ausbleiben und unangemessenes Verhalten gegenüber Kindern weite Verbreitung findet.

Auf den ersten Blick wirken die Zahlen vielleicht unauffällig. Vergegenwärtigt man sich jedoch, dass Verhaltensweisen wie Beschämen, Beleidigen, Bloßstellen, schroffes Zurechtweisen, Anschreien, grober körperlicher Kontakt sowie die Verweigerung von Zuwendung oder das Erzwingen von Essen und Schlafen gegen den kindlichen Willen in keiner Kita-Konzeption toleriert werden, wird das Ausmaß deutlich: Es wirft die dringende Frage auf, ob der Kinderschutz wirklich bei jeder Fachkraft den Stellenwert einnimmt, den er haben müsste. Dabei ist es ein schwacher Trost, dass solche Verfehlungen oft „nur an wenigen Tagen“ beobachtet werden. Laut Studie hält ein Teil der Fachkräfte diese Reaktionen sogar für grundsätzlich oder zumindest situationsbedingt angemessen. Doch ein „Nicht schön, geht aber manchmal nicht anders“ ist mit dem Schutzauftrag einer Kita absolut unvereinbar.

Die Studie verdeutlicht: Eine nachhaltige Verbesserung der Situation hängt maßgeblich von strukturierten Einarbeitungsprozessen und einer aktiven, fundierten Trägerbegleitung ab. Es greift zu kurz, die Verantwortung allein auf die Fachkräfte zu übertragen. Auch in diesem Punkt bestätigt die Untersuchung bekannte Fakten: Die Trägerqualität ist ein entscheidender Hebel für die Gesamtqualität in Kindertageseinrichtungen.
Eine gesetzlich geregelte Qualifikation und einheitliche Standards für Träger sind daher unerlässlich, um verlässlichen Kinderschutz zu gewährleisten. Obwohl hierzu politisch Konsens besteht, sind konkrete gesetzliche Regelungen bislang nicht in Sicht.



